Streb, Jochen, Trumpf –

Geschichte eines Familienunternehmens. Hanser, München 2019. 544 S. Angezeigt von Gerhard Köbler.

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Die als GmbH & Co. KG geführte Trumpf-Gruppe ist ein Unternehmen mit dem Hauptsitz in Ditzingen nordwestlich Stuttgarts. In dem Jahre 2018 erzielte sie mit 13420 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,57 Milliarden Euro. Damit zählt sie zu den weltweit größten Anbietern von Werkzeugmaschinen und ist dementsprechend auf allen wichtigen Märkten der Welt vertreten.

 

Mit ihrer Entwicklung beschäftigt sich die vorliegende Untersuchung des in Heidelberg bis 1990 mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsgeschichte und Sozialgeschichte zu einem Diplomvolkswirt ausgebildeten, 1996 mit einer Analyse der Ziele, Instrumente und Verteilungswirkungen der Agrareinkommenspolitik in der Bundesrepublik Deutschland 1950 bis 1898 summa cum laude promovierten und 2002 mit einer Schrift über staatliche Technologiepolitik und branchenübergreifenden Wissenstransfer an Hand der Ursachen der internationalen Innovationserfolge der deutschen Kunststoffindustrie in dem 20. Jahrhundert für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte habilitierten und seit 2003 in Hohenheim sowie seit 2011 in Mannheim tätigen Verfassers. Sie gliedert sich in insgesamt neun Kapitel. Diese betreffen den wirtschaftlichen Aufstieg eines Familienunternehmens zu einem zunächst heimlichen Weltmarktführer, den Aufbau des Unternehmens zwischen Inflation und Besatzungszeit, den technologischen Pfad der Blechbearbeitung, erfolgreiche Diversifizierungsversuche wie etwa den Quantensprung zum Laser neben misslungenen Diversifizierungsversuchen, die Internationalisierung von Württemberg in die Welt, Marketing, Öffentlichkeit und Politik im Maschinenbau, industrielle Beziehungen, die große Krise mit finanziellen Experimenten und den grundlegenden Willen zur Veränderung.

 

Nach den umsichtigen, durch das weitgehende Fehlen früher Dokumente beeinträchtigten Untersuchungen des Verfassers begann das Unternehmen, als 1923 die Mechanikermeister Alfred Kern und Eduard Klein mit dem geschäftsführenden Kaufmann Christian Trumpf die Julius Geiger GmbH als mechanische Werkstatt für biegsame Wellen für Maschinen der Metallbearbeitung mit nur wenigen Mitarbeitern gründeten, aus der sich nach 1930 infolge der Aufnahme einer neuartigen Elektrohandblechschere in das Produktionsprogramm ein Lieferant der nationalsozialistischen  Rüstungsindustrie mit 150 Beschäftigten entwickelte. Der Aufstieg zu dem Weltmarktführer für Blechschneidemaschinen erfolgte, seit der in Stuttgart an dem 26. November 1930 geborene, bei Trumpf und an der Technischen Hochschule Stuttgart ausgebildete, von dem kinderlosen Christian Trumpf als dem Ehemann seiner Patentante zu seinem Nachfolger bestimmte Berthold Leibinger 1961 Leiter der Konstruktionsabteilung des inzwischen umfirmierten Unternehmens und von 1969 bis 2005 Vorsitzender der Geschäftsführung wurde und eine Blech besonders schnell und genau schneidende Kopiernibbelmaschine und danach einen hauseigenen Laser einführte sowie zielstrebig die Internationalisierung förderte. Seit der Übergabe der Geschäftsführung an seine in Germanistik promovierte Tochter Nicola Leibinger-Kammüller verdoppelten sich Umsatz und Mitarbeiterzahl und ergab sich zuletzt ein Jahresgewinn von 514 Millionen Euro, so dass auch nach dem Tode Berthold Leibingers an dem 16. Oktober 2018 gute Aussichten für das erfolgreiche, sich durch seine interessante Geschichte nun der Allgemeinheit aufschließende bedeutsame Unternehmen bestehen.

 

Innsbruck                                                       Gerhard Köbler